In der privaten Haftpflichtversicherung sind die großen Versicherer sehr leistungsfähig

Wer die – durchschnittliche, zu erwartende – Sinnhaftigkeit einer Versicherungs-Produktgruppe betrachten möchte, der könnte den Gewinn oder Rohertrag einer einzelnen Sparte als Hinweis dafür nehmen, wie günstig die Prämien sind. Oder aber ob es sich um eine Produktkategorie handelt, bei der die Prämieneinnahmen leider nicht in einem angemessenen Verhältnis zum Aufwand oder den regulierten Versicherungsschäden stehen.

Einer der Marktführer in diesem Bereich, die Allianz, weist in ihrem Geschäftsbericht 2017 eine interessante Kennziffer für den Bereich der Haftpflichtversicherungen insgesamt aus. Demnach hätte sie im Jahr 2017 Bruttobeiträge in Höhe von 1.206 Millionen Euro verbuchen können, die Schaden-Kostenquote lag bei 93,5% (statt 94,6% im Vorjahr). Der Branchenversicherungsmonitor „Haftpflicht 2015-2017“ zeichnet ein ähnliches Bild. Diesem zufolge wäre die Leistungsfähigkeit der kleineren Versicherungen so niedrig, dass deren Schaden-Kostenquote über 100 % liegen würde. Wird nicht rechtzeitig gegengesteuert, dann würde dieser Bereich kurz- und mittelfristig weiter Verluste anhäufen oder diese Anbieter würden Beitragsanpassungen vornehmen müssen.

Problematisch dabei: Anders als die verschiedenen Arten der KFZ-Versicherung gilt die Privathaftpflicht nicht als Schlüssel oder „Türöffner“ zu weiteren Geschäftsabschlüssen. Weshalb unsere Redaktion davon überzeugt ist, dass die kleineren Versicherungen ihre Hausaufgaben an der „Kostenfront“ wahrscheinlich noch nicht vollständig oder vollumfänglich gemacht haben.

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Gehen wir von der Annahme aus, dass sich nicht alle „guten“ Risiken oder alle „schlechten“ Risiken bei einem ganz bestimmten Versicherungsunternehmen sammeln. Dann steht den Versicherungsgesellschaften in etwa ein ähnlicher Kundenbestand gegenüber. Dann wird es darauf ankommen, die bereits im Bestand befindlichen Kunden gezielter anzusprechen. Neben der privaten Haftpflichtversicherung sollten deshalb Vertragsabschlüsse in denjenigen Versicherungssparten getätigt werden, die ein höheres Nettoertragspotenzial haben.

Die kleineren Versicherer könnten deshalb über neue Formen der Zusammenarbeit nachdenken: Insbesondere in einer Zeit in der viele Versicherungskunden preissensibler werden – angefeuert durch die Transparenz in Internet-Portalen zum Haftpflichtversicherung Vergleich. Kostensenkungen sind beispielsweise in den Bereichen möglich, die für den Kunden nicht direkt sichtbar werden: Verwaltungsarbeiten könnten – ähnlich wie bei den Dienstleistungszentren verschiedener Banken – zusammengelegt werden, um Doppelarbeit zu vermeiden.