Lehrer vermitteln unzureichenden Versicherungsschutz

In Baden-Württemberg treten Lehrer inzwischen auch als Versicherungsmakler vor ihre Klassen. Das zuständige Ministerium verlangt von ihnen, über eine Schülerzusatzversicherung zu informieren. Wer sie nicht abschließt – und dafür gibt es gute Gründe – darf möglicherweise nicht mit auf Klassenfahrt gehen.

Üblich seit rund 20 Jahren

Was sich wie ein kleiner Skandal anhört, ist auch einer – aber kein neuer. Diese Vorgehensweise zeigt unter anderem die folgenden Merkmale:

  • es gibt sie schon seit rund 20 Jahren
  • die Lehrer sammeln auch die Versicherungsbeiträge von den Schülern ein und leiten sie an die zuständigen Stellen weiter
  • eine gesetzliche Pflicht zum Erwerb einer solchen Leistung gibt es nicht
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In Baden-Württemberg schlossen im vergangenen Schuljahr 400.000 Kinder und Jugendliche im schulpflichtigen Alter diese Versicherung ab. Der Bund der Versicherten (BdV) hält das für einen Skandal – nicht nur, weil Lehrer als Versicherungsmakler auftreten. Sie beklagen vor allem den völlig unzureichenden Versicherungsschutz. Zwar ist nach BdV-Angaben diese Absicherung mit einem Euro pro Jahr und Schüler sehr preiswert – aber: Sie bietet sehr schlechte Leistungen. Die Invaliditätssumme ist bei maximal 50.000 Euro gedeckelt – ein lächerlicher Betrag, um die Folgen eines ernsthaften, schweren Unfalls abzudecken.

Private Haftpflicht schützt besser

Diese Versicherungen, die Lehrer anbieten müssen, sind zudem in 80 Prozent aller Fälle komplett überflüssig. So groß ist nämlich der Anteil der Schüler, die über die private Haftpflichtversicherung ihrer Eltern geschützt sind. Und das auch noch deutlich besser, als es die vom Ministerium angeordnete Police ermöglicht. Eine private Haftpflichtversicherung ist so vielfältig abschließbar, wie es die spezielle Familien-Situation erfordert. Verbraucherportale und Testergebnisse von Haftpflichtversicherungsvergleichen ermöglichen detaillierte Informationen. Wer das persönliche Beratungsgespräch bevorzugt, geht zu einem unabhängigen Makler: Er ist nicht verpflichtet, die Produkte eines bestimmten Unternehmens zu verkaufen. Daher empfiehlt er für die KFZ-Haftpflicht vielleicht einen anderen Anbieter als für die private Krankenversicherung oder die Privathaftpflicht.